Morgen Abend fällt sie, die Entscheidung um den SM-Titel 2011. Es steht 1:1 im hochkarätigen Duell zwischen Hergiswil und Kriessern. RRH-Coach Hanspeter Wisler und seine Gemütslage vor der «Belle» in der eigenen Halle.

«Es geht», sagt Hanspeter Wisler, befragt nach einem Statement zum Heimvorteil im letzten und alles entscheidenden Duell. «Es geht. Ich möchte das jetzt nicht überbewerten. Denn auch der dritte Kampf wird erneut eine sehr enge, eine sehr umstrittene Angelegenheit werden. Aber», so der 44-jährige Coach der Hergiswiler Meisteraspiranten, «unsere kleine Steinacher-Halle wird natürlich schneller zu einem Hexenkessel für uns, als die weitaus grössere und geräumigere BBZ-Halle in Willisau. Doch wo auch immer du ringst – entscheidend ist das, was auf der Matte abgeht. Dort wird der Match entschieden. Und zwar von den Athleten selber.»
Und es werden wohl grossmehrheitlich die gleichen Athleten sein, welche morgen Abend den Titel in zehn Kämpfen unter sich ausmachen. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kriessener noch grosse Möglichkeiten haben, ihre Aufstellung wesentlich zu verändern», sagt der in Zell wohnhafte Hanspeter Wisler. «Und auch wir werden das Team, das in Willisau knapp und unglücklich verlor und in Widnau vor einer Woche den Spiess umdrehte, nicht in seinen Grundfesten verändern. Beide Mannschaften kennen einander in- und auswendig. Jetzt geht es noch einmal Mann gegen Mann. Tagesform und Taktik werden entscheiden», sagt der beruflich als Metzger arbeitende Hergiswiler Coach.
Das Duo in der Ecke
Es kommt morgen Abend bereits zum fünften Kampf zwischen der vor der Saison zum klaren Titelfavoriten gestempelten Ringerstaffel Kriessern und dem zweifachen Silbermedaillengewinner Hergiswil. Drei der bisher vier Duelle 2011 gingen an Hergiswil. Aber das alles gilt ab morgen, 19 Uhr, nichts mehr. Es geht nur noch um diesen einen Kampf.
Hanspeter Wisler wird das Heimteam wie immer in der Mattenecke betreuen. Er muss im Hexenkessel kühlen Kopf bewahren. Neben ihm wird Johnny Marosvölgyi Notizen zu jedem Kampf in sein legendäres Notizheft machen. Und in der Pause jedes Kampfes ist es eher der ehemalige internationale Klasseringer aus Ungarn, der spricht und dabei mit dem Frottiertuch für die obligate Luftzufuhr zugunsten des Ringers sorgt. «Wenn Johnny etwas Technisches zu sagen hat, dann rede ich ihm nicht drein. Ich bin dann eher der Mann für das Motivieren, oder auch das Kritisieren. Ich muss auch mal anstacheln, ein wenig böse sein, oder einen Ringer moralisch aufbauen», sagt Hanspeter Wisler. Für seine eigene mentale Stütze sorgt die Familie. Seine Frau Benedikta und er sind stolze Eltern der zwei Buben Joel (6) und Michael (4). Logisch, dass das Meisterurteil im Hause Wisler schon gefällt ist: «Hergiswil soll im dritten aufeinanderfolgenden Final endlich Gold holen.»
Die Hergiswiler Ringer haben sich eine tolle Ausgangslage erkämpft. Und sie haben einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Kriessern wollte am letzten Samstag mit dem zweiten Sieg den Meister-Sack zumachen. Jetzt mussten sich die Ostschweizer noch einmal neu motivieren. Und reisen morgen in die Halle des Gegners.
«Es muss alles stimmen»
«Das ist so», sagt Hanspeter Wisler. «Aber Kriessern hat noch immer intakte Chancen. Es muss alles stimmen, wenn man den Titel holen will. Unser Team ist gegenüber der vergangenen zwei Jahre sicher reifer und erfahrener geworden, verfügt über mehr Ruhe und Abgeklärtheit. Und es bleibt in dieser Zusammensetzung beisammen», so Hanspeter Wisler weiter. «Wir haben eine junge Mannschaft, die ihren Zenit bestenfalls in ein paar Jahren erreichen wird.»
Hanspeter Wisler trat der Ringerriege Hergiswil 1977 als Jungringer bei. Der Greco-Spezialist, damals noch in den Gewichtsklassen 62, 63 und 66 kg kämpfend, beendete seine Aktivkarriere vor zehn Jahren. Auch für ihn wäre der Titelgewinn die Krönung. Aber das sagt er nicht. Dazu ist er zu bescheiden, zu fokussiert auch auf den entscheidenden dritten Finalkampf. «Wir treten in der Gewissheit an, alles getan zu haben, um den Titel zu holen», sagt er.
Am Samstagmorgen wird Hanspeter Wisler bis zum Mittagessen mithelfen, die Steinacher-Halle zusammen mit anderen Helferinnen und Helfern in eine Finalarena zu verwandeln. Dann geht er nach Hause, ruht sich etwas aus und wird um 16.30 Uhr wieder vor Ort in Hergiswil sein. Um 18 Uhr beginnt das Abwägen der Ringer. Und ab 19 Uhr wird der Mann im grünen Pullover auf seinem Stuhl in der Hergiswiler Ecke sitzen. Angespannt zwar, aber nach aussen ruhig, in sich gekehrt. «Doch ganz tief innen brodelt es schon», sagt er. Es wird morgen Abend nicht nur im Herzen des Hergiswiler Coaches brodeln…




