Bericht von der WM in Moskau.
In diesen Tagen wird in Moskau die Weltmeisterschaft ausgetragen. Im Starterfeld waren mit Patrick Stadelmann und Thomas Suppiger gleich zwei Hergiswiler! Wir (Walter Stadelmann, Flurin Burkhalter und Urs Zemp) liessen uns diese Gelegenheit nicht entgehen und reisten ebenfalls für wenige Tage in die russische Hauptstadt.
Während Patrick und Thomas bereits seit Samstag in Moskau waren, ging unser Russland-Abenteuer am Montag los. In aller Frühe machten wir uns auf zum Flughafen Zürich. Via Genf waren wir bereits mittags in Moskau gelandet.
Mit sicherem Verhandlungsgeschick ergatterten wir uns eine preiswerte Taxifahrt ins Hotel. Auch in Russland gäbe es Straßenverkehrsregeln. Schnell bemerkten wir jedoch, dass unser Taxifahrer davon eine eigene Interpretation hat. So verging die einstündige Fahrt auf Moskaus verstopften Strassen Wort wörtlich wie im Flug.
Moskau hat über 10 Millionen Einwohner. Dementsprechend gross ist unser Hotel. Mit seinen 1800 Zimmern könnte das Cosmos gar sämtliche Einwohner der Gemeinde Hergiswil beherbergen!
Dienstag war der grosse Tag von Patrick. Im Abringen traf er auf Kebispayev Almat aus Kasachstan. Im ersten Drittel verlor er durch Verlassen der Matte mit 0:1. Im zweiten Abschnitt machte Patrick ordentlich Dampf. Am Mattenrand setzt er zu einem Standgriff an und in dem Moment gelingt Kebispayev aus der Defensive einen Huftschwung. Daraufhin musste Patrick alles riskieren, um überhaupt noch eine Siegeschance zu haben. Er trieb den Kasachen auf der Matte umher und wurde dabei mit einem Armzug ausgekontert. Es stand 0:6 und Kebispayev Almat stand in der nächsten Runde. Die nächsten Kämpfe des Kasachen zeigten, gegen welch einen Spitzenringer Patrick gerungen hatte. Der Kasachen verlor erst im Halbfinale und holte sich schlussendlich die Bronzemedaille.
Video STADELMANN Patrick – KEPISPAYEV Almat
Einen Tag später stand Thomas Suppiger in der Kat. 74 kg im Olympia-Stadium von 1980 auf der Matte. Sein Gegner war Bingxuan Wang aus China. Das der 30-jährige Chinese ein regelrechtes Kraftpacket ist, bekam Thomas schnell zu spüren. Wang fixierte ihm den linken Arm und brachte Thomas mit einem kräftigen Ruck in die Bodenlage. Thomas konnte den Arm gar nicht mehr lösen und so drehte ihn der Chinese gleich dreimal. Im zweiten Abschnitt konnte Thomas im Stand gegen den wie angewurzelten Gegner keinen Punkt erzielen und musste in die Bodenlage. Von dort gelang dem Chinesen einen Ausheber und einen weiteren Punkt. So lautete der Endresultat 0:7 und 0:4. Leider verlor Wang seinen nächsten Kampf gegen den Kirgistaner und somit war die WM ebenfalls nach einem Kampf vorbei.
Video SUPPIGER Thomas – WANG Bingxuan
Ärgerlich ist es, wenn einem im ersten Kampf solche Spitzenringer vorgesetzt werden und man nach einer Niederlage bereits ausscheidet. Wir konnten uns während den drei Tagen in Moskau selber vom absoluten Weltniveau überzeugen. Die Kämpfe sind unglaublich hart und ausgeglichen und ein Quäntchen Glück braucht hier jeder. Ein Beweis dafür ist, dass auch zahlreiche Top-Favoriten in ihren Gewichtsklassen bereits früh aus dem Turnier ausschieden. Dominiert wurde die WM durch die Ringer aus der ehemaligen UdSSR. Aus dessen Aufteilung vor rund 20 Jahren entstanden Russland, Georgien, Ukraine, Armenien, Usbekistan, Aserbaidschan, Kasachstan usw. Wo früher ein WM-Teilnehmer herkam, stehen nun über einem Duzend absolute Spitzenringer aus dem Osten auf der Matte.
Die WM hat gezeigt, dass Patrick und Thomas wie in den letzten Monaten weiterhin hart trainieren müssen. Ihr Ziel, die Qlympia-Quali wird dabei oberste Priorität haben. Mit dem Projekt „Napfringer Olympia 2012“ haben beiden Ringer wie auch die gesamte Ringerriege ein klares Bekenntnis dazu abgegeben. Der Kampf gegen Freiamt war ein, wenn auch ein sehr ärgerliches und vermeidbares Opfer davon. Dafür müssen wir auch künftig Verständnis haben.
Für die erste Schweizer Erfolgsmeldung sorgte Pascal Strebel. Er holte sich in der Kat. 66 Greco den hervorragenden 7. Platz – Gratulation!
Am Mittwochmorgen nutzen wir die Gelegenheit, uns einem deutschen Ringer, welcher sich in Moskau etwas auskennt, anzuschliessen. Denn sich in Moskau auf eigene Faust zu orientieren, ist fast unmöglich. Es sei denn, man kennt sich mit dem kyrillischen Alphabet aus. Die Exkursion führte uns zum Roten Platz, Kreml und Basilik.
Dort erlebten wir einmal mehr die russische Freundlichkeit. So wurde uns anfänglich mehreren Orten den Zutritt verwehrt. Als wir fünf Minuten später wieder dort vorbei gingen, waren die netten Polizisten und die Absperrungen längst wieder weg. Vielleicht haben wir auch schlichtweg vergessen, einige Rubbel locker zu machen.
Mit all den vielen Eindrücken aus der russischen Metropole machten wir uns am Donnerstag auf den Rückweg in die Schweiz.
PS: Ein Vorurteil können wir bestätigen – Moskau ist teuer, sehr teuer und der Rubel rollt. Das Portemonnaie leerte sich fast schneller als gespiessen wurde.




